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unilogo Universität Stuttgart
Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme

Anwendungsprojekt ASBUS:

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Assistenz für sensorisch Behinderte an der Universität Stuttgart


Dr. Andreas Hub

Universität Stuttgart
Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme
Universitätsstr. 38
70569 Stuttgart

Tel. +49 (0)711 7816 259
Fax +49 (0)711 7816 340
andreas.hub@vis.uni-stuttgart.de


Überblick

Die aus dem Teilprojekt D2 des Sonderforschungsbereichs 627 hervorgegangenen Assistenzsysteme für Personen mit sensorischen Einschränkungen bieten die Möglichkeit, Studierende mit Sehbehinderungen bei der Navigation im Universitätsgelände zu unterstützen. Mit dem am Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme entwickelten TANIA-System (Tactile Acoustical Navigation and Information Assistant) ist es bereits jetzt für Blinde möglich, sich auch in unbekannten Umgebungen zu orientieren und zu gewünschten Zielen führen zu lassen. Hierfür ist eine genaue Kartierung der Umgebung in einem geeigneten Format notwendig. Bis jetzt existieren solche Karten nur für das Informatikgebäude.

Ziel des Projekts "Assistenz für sensorisch Behinderte an der Universität Stuttgart" (ASBUS) ist es, diese Kartierung auf die gesamte Universität auszudehnen, um so eine selbständige Navigation in allen öffentlich zugänglichen Bereichen der Universität - entsprechend den UN-Konventionen und den Gesetzen zur Barrierefreiheit - erreichen zu können.

Im Rahmen dieses Projekts sollen außerdem studienrelevante Informationen in das Assistenzsystem TANIA integriert werden. Hiermit soll die Basis für eine selbstbestimmte Teilnahme am universitären Leben und ein kontextbezogenes Studieren geschaffen werden, ohne ständig auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Beispielsweise soll blinden Studierenden bereits der Einstieg in das Studium durch ortsbezogene erweiterte Hinweise auf Lehrveranstaltungen erleichtert werden. Sämtliche Informationen dieser Art können sehbehinderten Benutzern des Systems akustisch oder über eine portable Braillezeile übermittelt werden.

Schließlich sollen in das entwickelte Assistenzsystem auch Angebote und Dienstleistungen außeruniversitärer Stellen integriert werden, die zum Beispiel den behindertengerechten und kontextbezogenen Zugriff auf Fahrpläne öffentlicher Verkehrsmittel oder Angebote der Stadt Stuttgart beinhalten.

Das ASBUS-Projekt wurde am 1. Januar 2009 begonnen. Es wird über Studiengebühren und Projektmittel finanziert, die von der Universitätsleitung zur Verfügung gestellt wurden. Der Leitung des Projekts ist ein Beirat zur Seite gestellt.

Angebote für blinde und sehbehinderte Studierende an der Universität Suttgart

Für Studierende, die blind oder hochgradig sehbehindert sind, bietet das ASBUS-Projekt folgende Serviceleistungen:

1. Unterstützung durch das ASBUS-Team bei der Wohnungssuche, Kontaktaufnahme zu Dozenten, Aufbereitung von Studienmaterialen, Zugang zu sonstigen Angeboten der Universität (Sport, Musik, sonstige Freizeitaktivitäten), Auslandssemester etc.

2. Bereitstellung von TANIA-Systemen, die eine unabhängige Navigationsunterstützung in individuell gewünschten Bereichen der Universität ermöglichen. Das TANIA-System besteht aus einem kleinen portablen Rechner (UMPC von Sony oder OQO, Gewicht: ca. 500g), an den ein Bewegunssensor angeschlossen ist, mit dem sich der zurückgelegte Weg schrittgenau tracken lässt. Das TANIA-System basiert auf digitalen Karten der Umgebung und kann innerhalb und außerhalb von Gebäuden vollkommen autark betrieben werden. Datenschutz und Privatheit sind daher zu jedem Zeitpunkt gewährleistet. Optional lässt sich das TANIA-System im Außenbereich mit GPS-Signalen und innerhalb von Gebäuden mit RFID-Tags synchronisieren, die an wichtigen Landmarken wie z.B. Türen oder Aufzügen angebracht sind. Im Gegensatz zu kommerziell verfügbaren GPS-Systemen lassen sich beim TANIA-System eventuelle Fehler bei der Ortsbestimmung, die z.B. durch schwache oder fehlerhafte GPS-Signale entstehen können, durch den Benutzer selbst korrigieren. Das TANIA-System lässt sich wie eine Kamera um den Hals hängen und der Benutzer wird beim Gehen - auf Wunsch auch automatisch - akustisch oder in Braille über den aktuellen Standort und Navigationsmöglichkeiten informiert. Beliebige Textinformationen können an jeder Stelle der digitalen Karte angeheftet werden, wie z.B. Hinweise vor Treppen oder Informationen über die gesamte Gebäudestruktur in virtuellen Informationsbereichen am Eingang eines Gebäudes.

3. Integration von erweiterten Informationen in das TANIA-System, die für das jeweilige Studium und für den individuellen Studienalltag relevant sind (Sprechzeiten von Dozenten, Fahrpläne auf dem Weg zur Universität usw.).

Außerdem stehen folgende Hilfsmittel zur freien Verfügung:

1. Portable Braillezeilen, die mit dem TANIA-System kombiniert werden können:

  • Braillenavigator (16 Braillemodule mit ATC-Technologie, Hersteller: Handy Tech Elektronik GmbH)
  • Conny (12 Braillemodule, Hersteller: Baum Retec AG)
  • Esys12 (12 Braillemodule, Hersteller: Eurobraille)
  • VarioConnect 24 (24 Braillemodule, Hersteller: Baum Retec AG)

2. Screenreader:

  • Jaws (Hersteller: Freedom Scientific)
  • Window-Eyes (Hersteller: Handshake Handelsges.m.b.H.)

3. Braille-Graphikdrucker

  • Max Embosser (Hersteller: ViewPlus Technologies)

4. Graphikstiftplatte:

  • Stiftplatte mit 7200 Stiften und interkativer Positionsbestimmung der Lesefinger (Hersteller: Metec-AG)

Auf Wunsch können auch weitere Hilfsmittel besorgt werden, z.B. Vergrößerungsgeräte oder spezielle Software.

Studierende aller Studienfächer - mit oder ohne Sehbehinderung - können sich gerne, z.B. als studentische Hilfskraft, in die aktuelle Forschung und bei der Entwicklung und Anwendung innovativer Hilfsmittel einbringen (z.B. Erkennung beweglicher Objekte mit Kamerasystemen auf der Basis von 3D-Umgebungsmodellen, Spracheingabe, interaktive tastbare Graphiken, Benutzerstudien usw.).

Stellenangebote

Aktuell suchen wir studentische Hilfskräfte, die das ASBUS-Team bei der Kartenerstellung und bei der Integration studienrelevanter Informationen unterstützen. Wünschenswert sind Erfahrungen im Erstellen von Karten mit AutoCAD-Programmen (z.B. Autodesk Map 3D). Studierende aller Fachrichtungen sind herzlich willkommen, um mit ihrem Wissen blinden und sehbehinderten Studierenden in allen Fakultäten und Instituten ein selbstbestimmtes und barrierefreies Studium an der Universität Stuttgart zu ermöglichen.

Institut


- Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme    

ASBUS-Team


- Projektleiter    
 - Dr. Andreas Hub   
- Wissenschaftliche Mitarbeiter    
 - Dipl-Math. Klaus Bosse   
 - Dipl.-Phys. Lorenz Kley   
- Mitarbeiter der Grundausstattung    
 - Wolfgang Bayerlein