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Die Abteilung Theoretische Astrophysik und Computational Physics an
der Universität Tübingen forscht und lehrt im Bereich numerische
Teilchenmethoden, parallele Algorithmen, Computergraphik und
Visualisierung.
Das Smoothed Particle Hydrodynamics (SPH)-Verfahren ist eine
lagrangesche Teilchenmethode zur Lösung der hydrodynamischen
Gleichungen kompressibler Fluide, für die kein Gitter notwendig ist
und die sich relativ leicht für beliebige Dimensionen implementieren
lässt. In den letzten zehn Jahren hat sich dieses Verfahren zu einer
wichtigen und weitverbreiteten Methode zur numerischen Untersuchung
astrophysikalischer Probleme entwickelt, in denen viskose und
nichtviskose Strömungen auftreten, etwa zur Simulation von
Akkretionsscheiben, von Stoßfronten oder von verschmelzenden
Neutronensternen, zur Untersuchung der Galaxienentwicklung oder für
kosmologische Rechnungen. Aufgrund dieser Erfolge wird die SPH-Methode
in den letzten Jahren verstärkt auch für die Anwendung in anderen
Bereichen der Physik in Erwägung gezogen.
Zur Zeit besteht eine enge Kooperation mit der Firma Robert Bosch GmbH
wobei der primäre Strahlzerfall bei der Dieseldirekteinspritzung
untersucht wird. Dieses bisher mit anderen Methoden ungelöste Problem
hat größte Bedeutung bei der Optimierung von Verbrauch und
Schadstoffausstoß von Verbrennungsmotoren.
Zur Vorbereitung des aktuellen 192 CPUs umnfassenden PC-Clusters
wurden an der TAT vielfältige Untersuchungen und Softwarentwicklungen
mit einer 4 Knoten-Myrinet-Testinstallation durchgeführt. Die dabei
erzielten Messergebnisse lassen begründet hoffen, dass mit der
aktuellen Konfiguration ein stabiler und performanter Betrieb möglich
ist. Eine Besonderheit des PC-Clusters in Tübingen ist eine
skalierbare Netzwerktopologie, bei der mit zunehmender Knotenzahl auch
die Bandbreite proportional zunimmt sowie der preisgünstige und
einfach zu administrierende Einsatz von plattenlosen
Pentium-Rechenknoten.
Die Abteilung Visualisierung und Interaktive Systeme am Institut für
Informatik der Universität Stuttgart betreibt Forschung und Lehre im
Gebiet der Wissenschaftlichen Visualisierung, der interaktiven
3D-Computergraphik und der Mensch-Maschine-Kommunikation.
Anwendungsschwerpunkte sind Visualisierung medizinischer Datensätze,
Visualisierung von Strömungs- und Crashsimulationen und Visualisierung
in Physik und Chemie. Orthogonal dazu finden sich methodische
Schwerpunkte: Web-basierte Visualisierung, Virtual-Reality-Techniken,
Graphik-Hardware-basierte Algorithmen, hierarchische Datenstrukturen
und adaptive Visualisierungsverfahren. In allen Anwendungs- und
Methodik-Bereichen ist die Arbeitsgruppe durch internationale
Veröffentlichungen sehr gut ausgewiesen, die über den Web-Server der
Abteilung abrufbar sind. Die Forschungsaktivitäten werden durch die
DFG (SFB 382, SPP V3D2), das BMBF (Verbundprojekt AUTOBENCH), die
Länder (FORTWIHR) und durch direkte Industriekooperationen (BMW,
Siemens, u.a.) gefördert. Die Arbeitsgruppe umfasst neben dem Leiter
noch 4 Post-Docs, 11 Doktoranden sowie technisches und
Verwaltungspersonal.
Speziell für dieses Forschungsvorhaben sind die Vorarbeiten bei der
Entwicklung von Visualisierungswerkzeugen für Simulationen im Bereich
Karosserieberechnung, Ergebnisse bei der Internet-Nutzung von
Hochleistungsgraphikservern sowie hierachische und parallelisierbare
Visualisierungsalgorithmen von Interesse. Gerade in dem letzten
Bereich ist die Abteilung auch mit dem Teilprojekt D6 am SFB 382
beteiligt und wird hier in Zukunft den PC-Cluster in die Forschungen
mit einbeziehen.
Im Rahmen des AUTOBENCH-Projekts wurde in Zusammenarbeit mit BMW ein
Prototyp für das Pre- und Postprocessing von Crashsimulationen mit ESI
PAM-CRASH entwickelt. Dabei handelt es sich um eine
Szenengraph-basierte Anwendung, die durch eine effiziente Datenhaltung
die Datenmengen auch auf Arbeitsplatzrechnern handhabbar macht und dem
Anwender dort die Benutzung einer 3D SpaceMouse sowie einer
Stereobrille erlaubt. Durch eine hierarchische Unterteilung der
Bauteilnetze und die Ausnutzung der Graphikhardware werden
Funktionalitäten wie die Visualisierung und selektive Behebung
initialer Penetrationen, die Übertragung von Ergebnissen aus der
Tiefziehsimulation auf die Crashnetze sowie die Berechnung von
Kraftfluss-Schläuchen stark beschleunigt. Darüber hinaus wurden erste
Untersuchungen im Bereich des kooperativen Arbeitens begonnen, wobei
zwei Instanzen des Prototyps über eine CORBA-Verbindung miteinander
kommunizieren.
Die Visualisierung von Strömungssimulationen ist das Aufgabengebiet
des FORTWIHR-Projektes. In seiner dritten Phase steht der
Wissenstransfer der erzielten Ergebnisse zur Industrie im Vordergrund.
Ziel dieses Projekts ist es daher, eine entscheidende Verbesserung der
Situation im Bereich Postprocessing und Visualisierung von
Berechnungen der Fahrzeugaerodynamik zu erzielen. Auf der Basis der im
Rahmen von FORTWIHR II erzielten Ergebnisse wurde in Zusammenarbeit
mit BMW und der mittelständischen Stuttgarter ICS GmbH ein
Softwareprototyp entwickelt, der im Hinblick auf Interaktivität,
Funktionalität und Bedienbarkeit weit über Standardlösungen
hinausgeht. Insbesondere wurden dabei eingebettete kartesische Gitter
unterschiedlicher Auflösungen mit über 4 Millionen Zellen effizient
behandelt und Algorithmen der Teilchenbahnberechnung zur
Verschmutzungssimulation erweitert. Alle realisierten
Visualisierungsmethoden erlauben auch an einem Arbeitsplatzrechner
interaktives Arbeiten mit Bildwiederholungsraten von mehr als 10 Hz.
Die VR-Umgebung wurde an die Anforderungen der Strömungsvisualisierung
angepasst und erlaubt intuitive Manipulations- und
Navigationsmöglichkeiten.
Im Rahmen des Teilprojektes ``ChemVis'' des DFG-Schwerpunktprogramms
``Verteilte Verarbeitung und Vermittlung Digitaler Dokumente'' (V3D2)
wurden bereits Grundlagen zur entfernten Nutzung von
Hochleistungsgraphikrechnern über das Internet erarbeitet. Ziel dieser
Arbeiten war es, teure Hardware transparent über Netzwerkverbindungen
von jedem beliebigen Arbeitsplatzrechner interaktiv nutzbar zu machen,
um so Visualisierungsaufgaben zu erledigen, die wegen mangelnder
Ressourcen (Speicherplatz und Graphikfähigkeiten) lokal nicht
durchführbar wären. Dazu wird die Visualisierung der Daten komplett
von einem Hochleistungsgraphikserver durchgeführt und dessen
Framebuffer-Inhalt anschließend komprimiert zu den
Arbeitsplatzrechnern übertragen und dargestellt. Für den Benutzer ist
dabei transparent, ob er lokale oder entfernte Hardware zur
Visualisierung nutzt, da lokal generierte Maus-, Tastatur- oder
GUI-Events zum Server gesandt und dort verarbeitet werden.
Die science+computing GmbH ist eine erfolgreiche Ausgründung der
Universität Tübingen. Die Gründer, die Mitglieder der Geschäfts- und
der Bereichsleitungen sowie viele Mitarbeiter haben bei Prof. Ruder
in der Theoretischen Astrophysik promoviert. s+c ist seit über 10 Jahren
in den Bereichen Beratung, Softwareentwicklung und IT-Service für
technische Rechnerinfrastrukturen tätig. Die Firma hat ca. 100
Mitarbeiter und erzielte 1999/2000 mit Dienstleistungen, eigenen Softwarelösungen
und Vertriebsprodukten einen Jahresumsatz von ca. 18 Mio. DM,
bei einem Wachstum von 50% in den letzten 4 Jahren.
Schwerpunkt der Tätigkeit von s+c ist die Konzeption und Betreuung
komplexer Client-Server-Netze im CAE-und CAD-Bereich von
Automobilherstellern, Zulieferern und Halbleiterfirmen. Neben
Daimler-Chrysler, BMW, Porsche, Bosch und Infineon gehören auch
Hochschulen und Forschungsinstitute zu den Kunden. s+c baut gerade
einen neuen Geschäftsbereich CASP (CAE Application Service Providing) für
Computer Aided Engineering auf und wird in diesem Zusammenhang
Internet-fähige Job-Flow-Umgebungen und Postprocessing-Lösungen
vermarkten.
Im Rahmen des ASP-Engangements von science + computing wurde neben dem
Aufbau der hard- und softwareseitigen Ressourcen ein Web-Frontend
entwickelt, welches die Submittierung von Rechenjobs, den Transfer der
Inputdaten sowie die Auslieferung/Anzeige der Ergebnisse über einen
Internetzugang ermöglicht. Ergänzend wird eine Unix-basierte
Login/Shell-Umgebung zur Verfügung gestellt.
Die Implementierung basiert auf erprobter Web-Technologie wie
serverseitig dynamisch generierten HTML-Seiten und -Formularen mit
eingebetteten JavaScript-Fragmenten und, soweit nötig, Java-Applets
für dynamische, interaktive Funktionalität auf der Client-Seite.
Sicherheitsaspekte wie Authentisierung, Verschlüsselung zur
Geheimhaltung und Sicherung der Authentizität der Daten, Gewährung der
Datenintegrität usw. werden mittels der etablierten Protokolle
HTTPS/SSL und X.509 Zertifikaten realisiert. Digitale Zertifikate
ermöglichen die gegenseitige sichere Identifikation von Anbieter und
Kunde als Basis einer verbindlichen Geschäftsbeziehung. Die genannten
Protokolle entsprechen dem derzeitigen Stand der Technik.
Von spezieller Bedeutung für dieses Vorhaben ist es das sich in der
Entwicklung befindliche Produkt FlowGuide, mit dem es möglich sein
wird, Job-Flows zu beschreiben, abzuarbeiten und zu koordinieren. Mit
FlowGuide wird eine leistungsfähige und flexible Softwareumgebung zur
Lösung von komplexen Job- und Data-Flow-Anforderungen in verteilten,
heterogenen Rechnerverbünden zur Verfügung stehen. Der Benutzer ist
über ein graphisches Benutzerinterface in der Lage, seinen
Arbeitsablauf zusammenzustellen und dem FlowGuide-System zur
Bearbeitung zu übergeben. Dabei ist das Ziel, die Aufgaben unter
optimaler Berücksichtigung aller verfügbaren Ressourcen zu verteilen
und auszuführen. Durch die ständige Überwachung des Job-Flow wird
erreicht, dass bei Ausfall/Veränderung einer Ressource der Job-Flow
automatisch an die neuen Gegebenheiten angepasst wird. Obwohl
Flowguide als eigenständiges Produkt konzipiert ist, soll es auch zur
Koordination der im ASP-Rahmen angebotenen Dienstleistungen eingesetzt
werden.
Mit FlowScript hat s+c eine auf XML basierende Sprache entwickelt, mit
der Berechnungsabläufe und die zugehörigen Datenflüsse beschrieben
werden können. Mit Hilfe dieser Sprache können sequentielle und
parallele Abfolgen sowie Verzweigungen definiert werden, durch die es
möglich wird, dynamisch auf Zwischenergebnisse zu reagieren. Es
existiert bereits ein FlowGuide-Prototyp, der solche Beschreibungen in
konkrete, verteilte Rechenprozesse umsetzt. Dieser Prototyp ist in der
Lage, den zu einem Berechnungsprozess gehörenden Datentransfer
durchzuführen und die Teilaufgaben zu koordinieren.
Darüber hinaus vertreibt s+c erfolgreich die
Ressourcen-Management-Software LSF der kanadischen Firma Plattform.
Speziell die in der LSF-Suite integrierte MultiCluster-Umgebung bietet
komfortable Möglichkeiten, zwischen verschiedenen
Rechner-Clustern mit flexibel konfigurierbaren Vorgaben den
Austausch/Overflow von Rechenjobs zu realisieren. MultiCluster bietet
die Möglichkeit des integrierten Filetransfers mit den
unterschiedlichen Authentisierungverfahren von LSF sowie Mapping von
Usernamen. Die Kommunikation zwischen den Clustern ist ausfallsicher
gestaltet, um auch den in WANs auftretenden Problemen Rechnung zu tragen.
Im Hinblick auf die Gewinnung industrieller Nutzer aus
Baden-Württemberg ist die Positition, die sich s+c im IT-Service in
den Entwicklungs- und Forschungsabteilungen bei DaimlerChrysler und
Bosch erarbeitet hat, relevant. Besonders hervorzuheben ist hier die
Erfahrung beim Betrieb einer Siemens HPC-Line-Installation bei
DaimlerChrysler. Dieser Linux-Cluster mit 32 Prozessoren und
SCI-Interfaces für eine schnelle Kommunikationen zwischen den Knoten
wird hauptsächlich für Berechnungen von elektromagnetischen
Verträglichkeiten mit FEKO eingesetzt. Die Skalierung über das
parallele MPI-Interface mit und ohne SCI ist sehr gut.
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Sebastian Niedworok
Tue Jan 9 11:51:22 CET 2001
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