Orientierungshilfe für Blinde
Beim Betrachten unserer Umgebung können wir feststellen, dass sich
viele Objekte durch charakteristische Farben auszeichnen. Farbe erleichtert
uns, Objekte von ihrer Umgebung zu unterschieden. Die eigentliche Objekterkennung
wird durch die Wahrnehmung weiterer Objekteigenschaften möglich.
Viele Objekte lassen sich mit Hilfe der Kenntnis ihrer Farbe orten,
sofern ihre Farben bekannt sind beziehungsweise gelernt wurden. Sind zusätzlich
Informationen über die Größe und Entfernung einzelner Objekte
bekannt, so ermöglicht die Kombination dieser Informationen blinden
Personen zwar nicht das Sehen, sie kann aber dazu beitragen, die Orientierungsfähigkeit
zu verbessern.
Der erste Prototyp einer Orientierungshilfe, der Blinden akustisch Informationen
über bestimmte Objekteigenschaften vermittelt, wurde im Rahmen einer
Doktorarbeit bei Prof.
Dr. Peter Fromherz von Andreas
Hub entwickelt. Der Prototyp besteht aus einer modifizierten Videokamera,
die an einen Laptop mit Soundkarte angeschlossen ist. Der (blinde) Benutzer
"rastert" seine Umgebung mit Hilfe der Kamera ab und erhält über
einen Lautsprecher akustische Informationen über die Entfernung, die
Größe und die Farbe der Objekte, die sich in seiner Umgebung
befinden.
Seit 1.9.2000 wird das Projekt "Entwicklung einer Mobilitäts- und
Orientierungshilfe für Blinde und Sehbehinderte sowie von industriellen
Farberkennungssystemen" über das Existenzgründerprogramm
Exist-Seed vom Bundesministerium
für Bildung und Forschung (BMBF)
in der Push!-Region Stuttgart
gefördert und in der Abteilung
Visualisierung und Interaktive Systeme (VIS) von Prof.
Dr. Thomas Ertl als Mentor betreut. Die weitere Entwicklung des Projektes
erfolgt in der Forschungsgruppe "Angewandte Informatik für sensorisch Behinderte"
(AIsB) in Zusammenarbeit mit Frau Dr.
Waltraud Schweikhardt und Herr Alfred
Werner, die langjährige Erfahrungen in der Entwicklung von Hilfsmitteln
für Blinde und sensorisch Behinderte besitzen
(Stuttgarter Mathematikschrift für Blinde, rechnerunterstützte Methoden
zur tastbaren Wiedergabe graphischer Darstellungen, Bildschirmtext als
rechnerunterstütztes Kommunikationsmittel für Blinde, rechnerunterstütztes
Lernen für Gehörlose).
Die Entwicklung der Orientierungshilfe ist Teil einer Kooperation mit
Dr. Harald Teufel, der im
Rahmen des Programms "Junge Innovatoren" an der Universität
Tübingen,
Abteilung
Theoretische Astrophysik & Computational Physics vom Ministerium
für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gefördert
und von Prof. Dr. Hanns
Ruder betreut wird. Außer der Orientierungshilfe für Blinde
sollen im Rahmen der Kooperation Modelle der Farbwahrnehmung und Farberkennungsgeräte
entwickelt werden, die eine exakte Messung der menschlichen Farbwahrnehmung
ermöglichen. Die Hard- und Software, die aus dieser Kooperation hervorgehen
wird, kann über Color-Physics
GmbH bezogen werden.
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