Orientierungshilfen für BlindeProjektleiterAnsprechpartner |
Ziel dieses Teilprojektes ist
es, die Navigations- und Orientierungsmöglichkeiten von Blinden und Sehbehinderten
durch mobile Geräte, die lokale Sensorinformationen mit Modellinformationen aus ortsbasierten
Diensten zusammenführen können, nachhaltig zu verbessern.
Dazu sollen
die in Umgebungsmodellen abgelegten Daten über kartierte Objekte mit lokalen Messungen
von Entfernung, Größe und Farbe kombiniert werden.
Auf diese Weise ist
eine Identifikation von Objekten und damit deren akustische Benennung möglich. Gleichzeitig kann
durch Fusion dieser Daten auch eine Aktualisierung des Umgebungsmodells erreicht
werden.
Aufbauend auf diese Basisdienste soll eine Navigationshilfe entstehen, die bei Eingabe
eines gewünschten Ziels eine blindengerechte Routenplanung durchführt und die Anwender
unter ständigem Abgleich von Sensor- und Modellinformation unter Umgehung von Hindernissen
auf dem Weg begleitet. Darüber hinaus soll die Navigationshilfe Zugriff auf weitere im
Sonderforschungsbereich entstehende Dienste wie virtuelle Litfasssäulen, Lokalisierung
anderer Anwender etc. ermöglichen.
Im Verlauf der bisherigen Förderung wurde vom Informatikgebäude der Universität Stuttgart
ein 3D-Modell erstellt, das Wände, Türen, Möbel und auch stationäre Objekte von der Größe
eines Türgriffes enthält. Parallel hierzu wurde ein portabler Orientierungsassistent für
Blinde entwickelt. Dieser Orientierungsassistent besteht aus einem Laptop und einem
Sensormodul. Das Sensormodul ist über ein Kabel mit dem Laptop verbunden. Der Laptop
selbst kann vom blinden Benutzer in einem Rucksack oder einer kleinen Tasche getragen
werden. Das Sensormodul wird wie eine Taschenlampe in der Hand geführt und kann über
eine kleine Tastatur bedient werden. Der blinde Benutzer kann das Sensormodul, in das ein
Stereokamerasystem und Inertialsensoren integriert sind, in eine beliebige Richtung im
Raum halten. Ein entsprechender Sehstrahl mit derselben Richtung wird im Gebäudemodell
dazu verwendet, um das nächstgelegene Objekt in dieser Richtung herauszusuchen. Dem
Benutzer wird der zugehörige Objektname in Worten über Lautsprecher mitgeteilt. Das System
ermöglicht eine interaktive Erkennung von statischen Objekten, die im Gebäudemodell
enthalten sind. Der Orientierungsassistent lässt sich auf herkömmliche Blindenstöcke
aufsetzen und erleichtert durch diese Kombination von neuen und alten Hilfsmitteln die
Gewöhnung an innovative Technologien ohne konventionelle Sicherheitsaspekte außer Acht zu
lassen. Erste Versuche mit blinden Personen deuten daraufhin, dass die Orientierungsfähigkeit
von Blinden - insbesondere in unbekannten Umgebungen - durch dieses System nachhaltig
verbessert werden kann.
Voraussetzung für dieses System ist, dass der Aufenthaltsort des Benutzers beziehungsweise
die 3D-Koordinaten des Sensormoduls bekannt sind. Für Sehende wurde im Rahmen eines
Studienprojektes ein Indoor-Navigationssystem entwickelt. Dabei konnte gezeigt werden, dass
sich das WLAN-System des Informatikgebäudes dazu eignet, den Aufenthaltsort von Personen auf
Raumgenauigkeit zu bestimmen. Zukünftig soll durch Sensorfusion die Ortsbestimmung präzisiert
werden, um somit eine geführte Navigation für Blinde über die Nexus-Infrastruktur zu ermöglichen.